Wertheimer-Schloß-Medaille 2014

Am Sonntag, 9. November 2014, verlieh die Loge “Zur Wahrheit” im Rahmen einer kleinen Matinée zum zweiten Male ihre “Wertheimer-Schloß-Medaille”, welche auch mit einem Geldpreis verbunden ist.  Erstmalig wurde die Auszeichnung im Jahre 2007 vergeben, an Herrn Karl Rebele, dem Gründer der “Nepalhilfe Beilngries e.V.”.

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Die Wertheimer-Schloß-Medaille der Loge “Zur Wahrhheit”, Nürnberg

Die Wahl fiel dieses Mal auf Frau Sophie Anuth, eine junge Studentin aus Nürnberg. Ausgezeichnet wurde Frau Anuth für ihr Engagement gegen das Vergessen und für ihren Einsatz im Dienste der Menschlichkeit. Beides fanden die Brüder unserer Loge vorbildhaft, auch für andere junge Menschen (lesen Sie weiter unten “Warum wir Frau Anuth ehrten”).

_MG_5436Unser Ehrengast, Frau Sophie Anuth 

Leonhard Schwab, Vorsitzender (Meister vom Stuhl) der Loge begrüßte die Festgäste, zu welchen auch die Eltern der jungen Frau sowie eine Ihrer Lehrerinnen gehörten.

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Meister vom Stuhl, Leonhard Schwab bei der Begrüßung

Leonhard Schwab: […] “Wie Sie aus unserem Einladungsschreiben entnehmen konnten, ist die Verleihung unserer Medaille eine Auszeichnung für besonders verdienstvolles Engagement, das sich an humanitären Kriterien orientiert.

Dass junge Menschen einen Teil ihres Lebens der Selbstlosigkeit widmen, ist heutzutage nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Denn die Tugend der Demut ist selten geworden in unserem Zusammenleben, in unserem Miteinander. Mancher Zeitgenosse kennt weder ihren Sinn noch kann er diese Kardinaltugend deuten.

Diese Ehrung heute soll aber auch im besonderen Maße den Lebensweg aufzeigen, die Richtungswahl eines Menschen herausstellen, der bereit ist, sich auf Grundsätzliches zu besinnen, nämlich auf Werte, wie Verantwortung und Selbstlosigkeit und Tugenden wie Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit, die eine Gemeinschaft wie die unsere nicht nur ausmachen sondern auch festigen. […]”

Der stellv. Großmeister Karl Deckart, überbrachte in Vertretung für den Großmeister, Stephan Roth-Kleyer, die Grüße der “Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland”. Der Veranstaltung wünschte er einen guten Verlauf und begrüßte, dass Logen durch die Ehrung vorbildlichen, gesellschaftlichen Engagements in die Gesellschaft wirken.

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Zugeordneter Großmeister, Karl Deckart

Dass wir mit Frau Anuth eine gute Wahl für unsere Medaillenvergabe getroffen haben, das vermittelte uns auch ihre ehemalige Lehrerin am Melanchthon-Gymnasium, Frau Martina Switalski. Sie verriet dem Auditorium, dass der Themenkreis für die Seminararbeit und auch Frau Anuths Engagement in Israel Früchte getragen haben. Der Keim ging auf, inzwischen gibt es zwischen dem Melanchthon-Gymnasium Nürnberg und einer Schule in Israel sogar einen Schüleraustausch.

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Grußworte von Frau Martina Switalski, Lehrerein

Kurt O. Wörl, Altstuhlmeister und Redner der Loge, hielt die Laudatio auf die zu ehrende Medaillen-Nehmerin, stellte, die “Wertheimer-Schloss-Medaille” sowie ihre Namensgeber vor (die beiden von den Nazis ermordeten jüdischen Rechtsanwälte, Moritz Wertheimer und Dr. Siegfried Schloß, beide auch vor 1933 Mitglieder der Loge “Zur Wahrheit” gewesen.)

_MG_5411Laudator, Altstuhlmeister und Redner, Kurt O. Wörl

Für die musikalische Begleitung der Matinée sorgte Adrian Hommel, Musiker mit virtuoser Grifftechnik an der Gitarre:

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Adrian Hommel, Musiker

Warum wir Frau Anuth ehrten:

Anfang August 2011 wandte sich Frau Anuth mit einer E-Mail an unsere Loge. Sie war damals noch Abiturientin am humanistischen “Melanchthon-Gymnasium” in Nürnberg und recherchierte für ihre Seminararbeit. Sie wählte einen Themenkreis, der Respekt abforderte: „Geschichten jüdischer Melanchthonianer zur Zeit des Nationalsozialismus”. Es ging also um ehemalige jüdische Schüler des Gymnasiums, welches auch Frau Anuth besuchte. – Konkret befasste sie sich mit dem von den Nazis ermordeten, jüdischen Rechtsanwalt, Dr. Siegfried Schloß. Dr. Schloß war bis zu ihrer Selbstauflösung 1932 auch Mitglied unserer Loge “Zur Wahrheit”. – Da sie diesen Umstand bereits recherchiert hatte, erhoffte sich Frau Anuth von uns weitere, Informationen für Ihre Seminararbeit. Wir konnten helfen.

Im Ergebnis fertigte Frau Anuth eine Seminararbeit an, die man ohne Wenn und Aber als wichtiges Dokument gegen das Vergessen derer, die unter dem Naziterror leiden und sterben mussten betrachten kann. Sie hat das Leben, Wirken, Leiden und auch das grausame Ende eines ganz besonderen Menschen wieder in Erinnerung gerufen. Ein Mensch, der durch sein Wirken im Leben ein Vorbild für alle Menschen, die nach Freiheit, Humanität, Recht und Gerechtigkeit streben, war und der folgerichtig auch einer der beiden Namensgeber unserer Wertheimer-Schloß-Medaille ist

Anmerkung: Der zweite Namensgeber der Medaille war Moritz Wertheimer. Er war ebenfalls ein Nürnberger Anwalt jüdischen Glaubens, Mitglied der Loge “Zur Wahrheit” bis zu ihrer Selbstauflösung und zudem ihr Vorsitzender von 1912 bis 1914. Auch er wurde von den Nazis ermordet und gilt seither als verschollen.

Doch damit nicht genug: Offenbar haben die Recherchen zum Schicksal Dr. Schloß‘ Frau Anuth über ihre Seminararbeit hinaus motiviert.  Statt sofort nach dem Abitur im Frühjahr 2012 ein Studium oder eine Berufsausbildung anzustreben – wie das die meisten Abiturienten tun – wandte sie sich an die Organisation “Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste”, um ein Jahr im Freiwilligendienst in Israel zu wirken. Vom Oktober 2012 bis Oktober 2013 leistete sie also ein Soziales Jahr  an einer Schule mit behinderten Kindern.

Das war nicht ungefährlich: Genau in dieser Zeit brachen sich zwischen Israel und dem Gaza wieder Gewalttätigkeiten Bahn, von welchen auch die junge Frau nicht unbeeindruckt blieb. In einer E-Mail schrieb sie: „Gleich vorweg, es geht mir gut! Israel befindet sich – wie es so vornehm ausgedrückt wird – in einem kriegsähnlichen Zustand…”

Frau Anuth kam wieder gesund und unbeschadet von ihrem Dienst in Israel zurück. Uns Brüdern der Loge “Zur Wahrheit” hat Frau Anuth mächtigen Respekt abgerungen und wir finden ihr Tun  vorbildhaft für alle Menschen, besonders für Menschen, die noch am Anfang ihres Lebens stehen. – Wir sind sicher: Wir gaben, mit Frau Anuth die Wertheimer-Schloß-Medaille 2014 in sehr würdige Hände.

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Frau Sophie Anuth , Urkunde zur “Wertheimer-Schloß-Medaille

Kurt O. Wörl

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