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    Ein – vor allem in Freimaurerkreisen – derzeit heftig und kontrovers diskutiertes Werk legte Klaus-Jürgen Grün mit seinem Buch

    Wörter machen Götter

    Der symbolische Bund der Freimaurer
    und seine Feinde
    ,

    verlegt vom Salier-Verlag, vor.

    (ISBN: 978-3-943539-86-8, 1. Auflage 2018).

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Buchempfehlung: Wörter machen Götter

von Kurt O. Wörl

Ein – vor allem in Freimaurerkreisen – derzeit heftig und kontrovers diskutiertes Werk legte Klaus-Jürgen Grün mit seinem Buch

Wörter machen Götter

Der symbolische Bund der Freimaurer
und seine Feinde
,

verlegt vom Salier-Verlag, vor.

(ISBN: 978-3-943539-86-8, 1. Auflage 2018).


Der Klappentext auf der Rückseite

„Es ist reichlich geschrieben worden über den symbolischen Bund der Freimaurer. Aber es gibt keine Studie, die einmal den Versuch unternommen hätte, den Symbolcharakter der Freimaurerei anhand einiger ihrer wesentlichen Symbole nach dem Vorbild der konzeptuellen Metapher ausdrücklich zu machen.

Klaus-Jürgen Grün unternimmt diesen Versuch und findet dabei heraus, dass die Umwandlung religiöser und liturgischer Elemente in reine Symbole die wichtigste Arbeit der Freimaurer darstellt. Dabei ist es völlig gleichgültig, was der einzelne mitwirkende Bruder sich dabei denkt. Sobald er sich im Ritual beispielsweise symbolisch durch sein Tun dem Rauen Stein als dem Symbol eigener Unvollkommenheit ähnlich macht, verliert jede Vorstellung der Gottähnlichkeit ihren Sinn. Freimaurerische Rituale lösen die Gültigkeit von Bekenntnissen und Glaubensinhalten in der Stärke tatgebundener Beweiskraft auf. Was Geltung hat, bestätigt sich im Tun, nicht im Denken oder Glauben.“

Rezension

Der Klappentext hält Wort. Sehr schlüssig, mit vielen Quellenangaben bestens belegt und mit vielen Fußnoten erklärt, zeigt der Autor das Kernwesen der humanitären Freimaurerei als symbolischen Bund auf, der religiöse Dogmen durch Reduzierung auf Metaphern und Symbolik auflöst und so seine nominalistische Natur sichtbar wird.

Grün vertritt in seinem Werk den radikalen Konstruktivismus wie ihn auch Paul Watzlawick postulierte und den er auch immer wieder in dem Buch zitiert. Demnach sind Worte nur Worte, die keine verbindlichen Aussagen, keine inhärente Wahrheit oder Wirklichkeit enthalten. Denken und sagen kann man viel. Sie können Existentes beschreiben aber ebenso Nichtexistentes. Wenn ich postuliere, es gäbe rosa Elefanten mit grünen Ohren und blauen Stoßzähnen, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, wie so ein merkwürdiges Tier aussehen würde, doch sagt das nichts über die tatsächliche Existenz oder Nichtexistenz solcher Tiere aus. Grün wörtlich:

„Vom Denken führt kein Weg zum Sein! Sei dies auch noch so wünschenswert. Existenz hat nichts zu tun mit Denken. Ich kann mir alles mögliche denken, aber ob es auch existiert, ist eine ganz andere Frage. Sie wird von der Logik niemals beantwortet. Gegen diese Erkenntnis setzt sich allerdings unkritisches und ungeschultes Denken stets hinweg.“ (Seite 67)

Diesen Denkfehler bezeichnet Grün als Petitio Principii – also als „Erschleichung des Beweisgrundes“, den er als einen der (leider!) erfolgreichsten aller unseriösen Denkmethoden bezeichnet.

Wo Freimaurerei draufsteht ist nicht immer Freimaurerei drin

Eingewebt in das höchst aufklärerische und philosophisch anspruchsvolle Werk ist auch eine heftige Kritik an der christlichen „Freimaurerei“ wie sie in der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD) in Erscheinung tritt. Grün begründet einleuchtend und mit vielen Quellen und Nachweisen, dass es sich bei dieser abnormen „Spielart“ gar nicht um Freimaurerei handelt und zwar auch auf Grund des eigenen Selbstverständnisses der GLLFvD selbst. So hat diese die weltweit eigentlich verbindlichen Konstitutionen der regulären Weltfreimaurerei, verfasst von James Anderson, für sich nie anerkannt, verneint die bloße symbolische Strickart der Freimaurerei, lehnt die humanitäre Freimaurerei ab und sie sieht sich auch nicht an die von der Unidet Grand Lodge of England (UGLoE) für alle regulären Freimaurerlogen verbindlich vorgegebenen Basic Principles (BP) gebundendas sind die Mindestanforderungen, also Standards der regulären Freimaurerei – und handelt diesen gar extrem zuwider. Reguläre Freimaurerei basiert auf der Bauhüttentradition und verfügt nach den BP über drei Erkenntnisgrade – Lehrling, Geselle, Meister (die GLLFvD bietet ganze zehn, also neben den drei Graden noch 7 weitere Andreas- und Kapitelgrade, die mit Freimaurerei rein gar nichts zu tun haben), Logen müssen unabhängig und autonom sein (die GLLFvD behält sich hingegen massive Durchgriffsrechte auf ihre Logen vor, der Vorsitzende – Logenmeister genannt – muss z.B. mindestens auch den 4. Grad innehaben) usw.

Der Autor zeigt auch auf, wie die GLLFvD ihre eigene Konstruktion – vor allem die ihrer Hochgrade – vor der Masse ihrer Mitglieder in den unteren Graden nachhaltig verschleiert, diese im Unwissenden darüber lassen, worauf sie sich mit ihrer Mitgliedschaft letztendlich eingelassen haben.

Grün kommt daher zu dem Schluss, dass die GLLFvD sich missbräuchlich als Freimaurervereinigung bezeichnet ohne eine reguläre solche zu sein. Seine Kritik mündet im Ergebnis in dem gut begründeten und belegten Postulat, die GLLFvD und ihre Gliederungen seien tatsächlich nur eine dogmatisch-religiöse, einen Jesus-Kult huldigende Sekte, die sich nur nominell ohne faktischen Hintergrund selbst als „Freimaurerorden“ bezeichnet.

An wen richtet sich das Buch?

Das Buch ist für jedermann lesenswert, der sich für die Freimaurerei interessiert. Mit der ganzen Kunst seines Könnens als Professor der Philosophie und Erfahrung als Freimaurer zeichnet Klaus-Jürgen Grün ein sehr realistisches Bild vom Sinn und Zweck der Freimaurerei, zeigt ihre Wurzeln und ihre Eigenart und philosophischen Hintergründe, die sich in der umfangreichen, freimaurerischen Symbolik widerspiegeln, auf.

Viel – oft sicher auch Nichtgewusstes – ist auch für aktive Freimaurer zu entnehmen und es dürfte für manchen Bundesbruder auch manches Aha-Erlebnis dabei sein.

Besonders in den letzten Kapiteln, ab Seite 359, wird deutlich, dass sich das Buch aber gerade auch an noch junge Brr. der GLLFvD richtet, für diese geradezu eine Empfehlung ist, das Konstrukt ihres eigenen Ordens kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. Und es richtet sich auch an Interessenten an der Freimaurerei, welche sich noch überlegen, der Freimaurerei beizutreten und vielleicht erwägen, ihren künftigen Lebensstil in einer Loge der GLLFvD zu entfalten. Das Buch zeigt nämlich auch die Abgründe dieser Vereinigung auf und bietet Suchenden ansonsten nur schwer erreichbare Hintergrund-Informationen, die zu Überlegungen führen sollten, ob diese „Spielart“ wirklich das Richtige für einen freien Mann sein kann, der sich den Werten der Aufklärung verbunden fühlt.

Reaktionen auf das Buch

„Wörter machen Götter“ löste innerhalb der deutschen Freimaurerei erwartungsgemäß heftige, kontroverse Diskussionen aus – und das war sicher auch eines der beabsichtigen Ziele des Autors. Auch die GLLFvD hat offenbar die Brisanz des Buches erkannt, das viele verräterische und zutiefst bedenkliche Details des Ordens offenbart und deshalb über die Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD = Dachverband aller deutschen Freimaurer) ein Verdikt erreicht, welches Grüns Buch „Wörter machen Götter“ – ohne nähere Begründung – als „Hetzschrift“ diffamiert. Der Senat der VGLvD hat es allerdings versäumt darzustellen, was genau er an Grüns Ausführungen als „hetzerisch“ betrachtet und sich auch nicht die Mühe gemacht, die von Grün vorgebrachte Kritik faktisch zu widerlegen.

GLLFvD und VGLvD beschritten damit den auch von der kath. Kirche oft gewählten Weg des Verdammens kritischer Schriften, was letztlich aber einen zusätzlichen, merkwürdigen Spot auf den christlichen Freimaurerorden wirft. Den Autor muss das nicht anfechten. Üblicherweise wirkt sich so ein Verdikt für kritische Autoren eher als Ritterschlag und für das verunglimpfte Buch meist auch noch verkaufsfördernd, weil Neugier weckend, aus. Bei solch heftigen Überreaktionen wird oft der begleitende Streisand-Effekt nicht bedacht.

Wer ist der Autor?

Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün ist apl. Professor am Institut für Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, als Unternehmnsberater tätig und Ethik-Experte. Er ist selbst Freimaurer und Mitglied der Freimaurerloge „Zur Einigkeit“ (einer Loge der humanitären Großloge AFuAMvD), ebenfalls in Frankfurt/Main. Seit 2000 ist er Vizepräsident der Freimaurerischen Akademie des AASR (ein weiterführendes Hochgradsystem) und war bis 2016 auch Meister der Freimaurerischen Forschungsloge „Quatuor Coronati„, mit Sitz in Bayreuth.

Grün war zudem Großredner der Großloge der „Alten Freien und Angenommenen Freimaurer von Deutschland“ (AFuAMvD) und ist bekannt für sehr pointierte Vorträge und tiefgründige Analysen.

 

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